Mauerpark vor Fertigstellung?
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In Prenzlauer Berg gibt es immer wieder Projekte, die die Gemüter seit Jahren erhitzen, über die ständig gesprochen und welche einfach nicht fertig gestellt werden. Man denke nur an das Stadtbad Oderberger Straße oder das Areal der Bötzow-Brauerei.  Ähnlich verhält es sich mit dem Mauerpark. Seit Beginn der Planungen ringen Anwohner und Bürger um die Fertigstellung. Doch Senat und Eigentümer blockierten bisher eine längst vor Jahren geregelte Fertigstellung der weiteren Teil-Abschnitte. Jetzt gibt es neue Ideen von Bürgern und der Kommune.
Ursprünglich hatte der Senat ganz andere Dinge vor. Dort, wo noch bis Anfang der 60er Jahre Güterzüge in den Alten Nordbahnhof einfuhren, wo sich dann später zu Zeiten des Kalten Krieges der Todesstreifen entlang streckte, sollte eine Autobahn gebaut werden. Die damalige West-Berliner Regierung plante unmittelbar nach Maueröffnung einen Zubringer Richtung Norden zum Berliner Ring. Doch unter den Anwohnern des anliegenden Gleimviertel und des Gebietes um die Oderberger Straße regte sich Widerstand. Diese forderten in dem dicht besiedelten Gebiet einen Park. Daraufhin begannen engagierte Bürger mit der Planung und einer demonstrativen Pflanzung. Die Idee und Vision des Mauerparks war geboren.
Im Zuge der Olympia-Bewerbung Berlins Anfang der 90er Jahre erklärte der Senat, dass auch die Berliner Politik ein größeres Interesse an einem Park unmittelbar neben der Sportstätte Jahnsportpark habe. Nach einer Entwurfsvorlage wurde die Erstellung des Mauerparks in drei Bauabschnitte unterteilt. Doch die Olympia-Bewerbung scheiterte. Da die Kassen leer waren, wandte man sich an die Allianz Stiftung für Umwelt. Diese stellte 4,5 Mio. DM zur Verfügung, mit der Auflage bis 2010 einen 10 Hektar großen Park fertig zu stellen. Nach zwei Jahren Bauzeit konnte 1994 der erste Bauabschnitt zwischen Eberswalder Straße und Gleimstraße mit 7,1 Hektar übergeben werden. Die weitere Erschließung erwies sich allerdings als problematisch. Da die anderen Bauabschnitte dem Immobilienunternehmen Vivico gehören, müsste der Senat die Flächen ankaufen. Obwohl eine vertragliche Bedingung zur Fertigstellung besteht und dem Land bei Nichteinhaltung die Rückzahlung des damals bereitgestellten Geldes an die Allianz Stiftung für Umwelt droht, verweigert der Senat bisher den Ankauf. 2001/02 versuchte die damalige Bezirksstadträtin von Mitte, Dorothee Dubrau (B90/Die Grünen), einen Deal mit dem Eigentümer in die Wege zu leiten: 3 Hektar kostenlos an das Land, dafür würde die Vivico Baurecht auf den verbliebenen 4 Hektar erhalten. Nach massiven Protesten von verschiedenen Bürgerinitiativen wurde von Stadt und Bezirk ein Moderationsverfahren eingeleitet. Doch dieses wurde ohne weitere Angaben abgebrochen. Nach weiterfolgenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Bürgerinitiativen und dem jetzigen Baustadtrat von Berlin-Mitte Ephraim Gothe (SPD) wurde vom Stadtentwicklungsausschuss Berlin-Mitte im Januar 2010 in einer Beschlussempfehlung als Kompromisslösung eine Neubaubebauung nur noch auf dem Gelände nördlich des Gleimtunnels sowie am Südende des Parks vorgeschlagen. Das Konzept wurde dazu vom Verein Freunde des Mauerparks e.V. erarbeitet. Im Mai verabschiedete die BVV Mitte einen Aufstellungsbeschluss. Dieser sieht vor, dem jetzt ca. 7 Hektar großen Mauerpark in Prenzlauer Berg eine Parkerweiterungsfläche von ca. 5,8 Hektar auf Weddinger Seite hinzuzufügen. So würde das Land Berlin seiner Verpflichtung gegenüber der Allianz Stiftung für Umwelt nachkommen und die Rückzahlung des Förderbetrages von 2,6 Mio Euro vermeiden. Für die restlichen Flächen sieht der Bebauungsplan zwei Baufelder vor, das kleinere im Süden an der Bernauer Straße für eine mischgebietstypische Nutzung ohne Wohnen. Zwischen Nordkreuz und dem Gleimtunnel ist das zweite Baufeld vorgesehen, vorrangig für Wohnen. Der Verein Freunde des Mauerparks e.V. ist über diese Entwicklung erfreut: „Nach vielen Jahren des politischen Stillstandes geht es jetzt mit einem großen Schritt weiter in Richtung Fertigstellung des Mauerparks.“ Christian Rippel  von der Bürgerinitiative „Mauerpark fertig stellen“ steht diesem Kompromiss eher skeptisch gegenüber: „Wir sagen ganz klar: Wir können den Plänen nicht zu zustimmen.“ Es wäre zwar ein Fortschritt, dass endlich auch Bürger gehört wurden und diese in die Planungen mit einbezogen wurden. Die Bebauung würde aber zu einer weiteren Einwohner-Verdichtung führen. Zudem sei nicht geklärt, wie das Wohngebiet an das Straßennetz angebunden werden soll. „Der komplette Ankauf der Flächen durch den Senat ist die einzige Lösung, um klare Verhältnisse zu schaffen“, so Rippel weiter. Er hofft auf einen Regierungswechsel bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin im kommenden Jahr. Mittlerweile wurde von der Kommune eine Bürgerwerkstatt ins Leben gerufen. In mehreren Workshops sollen Meinungen und Anliegen aller Interessengruppen für die weitere Fertigstellung einfließen. Das Ziel ist, Ende dieses Jahres die Ergebnisse in eine endgültige Fertigstellung münden zu lassen.
✒ Torsten Lehmann