Reihe Unternehmensgeschichte in Prenzlauer Berg (6)

Ehemalige Kinos in Prenzlauer Berg

In dieser Reihe um mehr oder weniger bedeutsame, sicher aber interessante Firmen oder Einrichtungen geht es heute, nachdem wir uns im August um das Medium Film an sich kümmerten, um die Aufführungsorte desselben.

 

Die erste öffentliche Filmvorführung in Deutschland, natürlich von Max Skladanowsky, fand am 1. November 1895 zwar noch im Varieté am Wintergarten in der Potsdamer Straße statt, von da an war das Medium Film aber nicht mehr aufzuhalten. Gedreht wurde in Weißensee. Die ersten Farbfilme, handcoloriert, gab es ab 1896 in Frankreich. Populär wurden sie in Deutschland zur Hochzeit von Viktoria Luise von Preußen am 24. Mai 1913 (meine Uroma erzählte mir früher oft voller Begeisterung, dass sie damals „vorm Kaiser“ gesungen habe), als das Ereignis in handcoloriertem Film für die Nachwelt erhalten wurde. Der erste kommerziell erfolgreiche Tonfilm war 1927, vor neunzig Jahren, „The Jazz Singer“ mit Al Jolson von Warner Bros. Die ersten deutschen erfolgreichen Tonfilme waren „Der blaue Engel“, „Berlin-Alexanderplatz“ und „Emil und die Detektive“.

Zeitung Prenzlauer Berg Magazin
Auf dem Foto links hinter dem Magistratsschirm war bis Kriegsende das Kino Astra. Das historische Foto ist nur in der Druckausgabe zu sehen. Foto: bk

Geschaut wurde vor allem in sogenannten „Flohkisten“, die so klein und eng waren, dass man sich das Ungeziefer der Sitznachbarn einhandelte.

Kino war „das Theater des kleinen Mannes“. Zwar begann am 22. März 1935 in Deutschland als erstem Land der Welt das reguläre Fernsehzeitalter, aber erst ab Mitte der 60er-Jahre begann sich Fernsehen als Medium, weil die Apparate immer billiger und das Programm immer besser wurde, durchzusetzen, was ein Kinomassensterben vor allem in der Bundesrepublik zur Folge hatte. In ganz Berlin gab es bisher insgesamt rund 950 (neunhundertfünfzig) Kinos. Von einst neunundvierzig Kinos in Prenzlauer Berg, existieren heute fünf, das Filmtheater am Friedrichshain, dann das in der Kulturbrauerei, das Colosseum in der Schönhauser Allee, das Lichtblick-Kino in der Kastanienallee und das Kino Krokodil in der Greifenhagener Straße. Früher wurde in jedem Kino zeitgleich immer nur ein Film gezeigt. Die ersten sogenannten Multiplex Kinos mit mehreren Spielsälen gibt es in Deutschland erst seit 1991. Heute zeigt man vor dem Hauptfilm jede Menge Werbung, früher gab es zuerst einen sogenannten „Kulturfilm“, dann aktuelle Tagespolitik („Wochenschau“, „Der Augenzeuge“) und danach erst den eigentlichen Film. Hier seien einmal einige der Filmtheater aufgelistet, die heute nicht mehr existieren: „Blow up“ Immanuelkirchstraße, „Apollo-Theater“ Schönhauser Allee 110, „Arnim-Lichtspiele“ Schivelbeiner Str. 36, „Atlas“ Greifswalder Str. 81 (da ist heute die SCHAUBUDE drin), „Berolina-Lichtspiele“ Prenzlauer Allee 47, „Bilderbühne-Metropol“ Schönhauser 61, „Biophon-Lichtspiele“ Schönhauser 115, „Elite-Theater“ Greifswalder 206, „Helmholtz-Lichtspiele“ Raumerstr. 14 (da ist heute ein Supermarkt drin), „Libelle-Filmtheater“ Pappelallee 78/79 (heute ist dort … noch … der Suhrkamp Verlag), „Prater-Lichtspiele“ im Prater, „Union-Theater“ Naugarder Str. 45 (darin ist heute ein Café). Und die Weißenseer Kinos wie das „Rio“ und das „Delphi“ an der Weißenseer Spitze und das „Toni“ am Antonplatz waren auch nicht weit.

Rolf Gänsrich, Oktober 2017