OUTDOOR

Auf Fontanes Spuren oder Survival pur

Nach draußen. Die Freiluftsaison beginnt, mit ihr die Lust, sich Sonne, Wind, Natur zu stellen. Bei Wanderungen oder Radtouren, in Outdoor-Camps und auf Pilgerschaft. Oder einfach nur auf einer Wochenend-Tour, raus aufs Land. Es kann so einfach sein.

 

Es raschelt und rauschelt im Berliner Umland in erwartungsvoller Geheimniskrämerei. Theodor Fontane, der große Brandenburg-Erwanderer, feiert im kommenden Jahr seinen 200. Geburtstag. Zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen und Fontane-Events in seiner Heimatstadt Neuruppin, in Potsdam und andernorts in Brandenburg wollen den preußischen Poeten wieder ins Bewusstsein rücken. Zum Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts machen. Rainald Grebe, der große Prenzlauer-Berg-Verspotter, hat sich Fontanes schon ein Jahr zuvor angenommen. In der Schaubühne gibt er mit einem kleinen auserwählten Schauspiel-Ensemble einen Einblick in die Vorbereitungen des Jubiläums-Jahres. Auf nicht ganz ernstgemeinte, doch sehr ernsthaft gut gespielte Weise erscheinen all die großen Romanfiguren und -konflikte Fontanes im Schnelldurchlauf. Und natürlich fehlt auch die Hymne auf den wunderbaren, stillen, magischen Stechlin nicht.

 

Neue Wanderungen durch die alte Mark

Im Programmheft gibt es eine Karte mit allen Routen von Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Zum Nachwandern, ironisch. Oder einfach, weil die Brandenburger Seen und Wälder, die Feldwege und kleinen und größeren Städtchen einfach so romantisch, urwüchsig, eben natürlich sind. „Es kann so einfach sein“, lautet passend zur beginnenden Outdoor-Saison der neue Claim unseres benachbarten Bundeslandes. Und lockt zur Landpartie.

Neuruppin, das Geburts- und Lebensstädtchen Fontanes, ist auch ohne ein Jubiläum eine solche Landpartie wert. Am Ruppiner See gelegen, lässt sich hier auf märkische Art Natur mit Kultur und Wellness verbinden. Eine Kulturkirche, ein Kulturzentrum und das Museum warten mit Promis, Konzerten und feinen Ausstellungen auf. In der Therme gibt es Entspannung im Wasser und in der Sauna. Der See selbst ist ein wunderbarer Badesee, lädt zum Segeln oder zu Paddeltouren. Immer den Rhin entlang, nach Alt-Ruppin oder ins Tucholsky-Städtchen Rheinsberg. Umrunden lässt sich der See per Fahrrad oder zu Fuß – rund 30 Kilometer Waldwege und Landstraßen führen um das Gewässer. An der Strecke warten Badestellen, Cafes und Radler-Pensionen auf naturhungrige Großstädter. Campingplätze bieten Übernachtungen.

Zeitung Prenzlauer Berg Kiezzeitung
Stille Wege zum Radfahren oder Wandern: Die Outdoor-Saison lockt nach Brandenburg. Foto: pixabay

Leben ohne Zivilisation

Ein Landaufenthalt in Neuruppin ist die sanfte Outdoor-Variante – im Mix mit der Zivilisation oder zumindest mit der Zivilisation in Sichtweite. Weiter weg von allem, was das Leben indoor-komfortabel macht, führen Survival-Camps, wie sie verschiedene Anbieter in Berlin und Brandenburg offerieren. Ein Wochenende oder eine ganze Woche sind die Menschen in diesem Camps komplett auf sich selbst und ihre Umgebung angewiesen. Feuermachen ohne Feuerzeug, Trinken und Essen ohne Vorräte aus dem Kühlschrank, Schlafen ohne komfortables Dach oder Zelt. Das schärft die Sinne für sich selbst und für die Natur, stärkt das Selbstbewusstsein und befreit vom Alltagsstress. Die Zeit erhält ihren eigenen Takt und mit ihr dieses Aussteiger-Leben auf Zeit. Stunden kann es zum Beispiel dauern, bis genügend Feuerholz eingesammelt ist. Ungewohntes gibt es zu essen: Kräuter, Blätter, Pilze und Beeren, an denen sonst achtlos vorbeigegangen wird. Und woher kommt das lebensnotwendige Trinkwasser, wenn kein See oder Bach in der Nähe ist? Zum Beispiel vom morgendlichen Tau, der mit Textilien oder alten Flaschen eingesammelt wird. Diese Camps geben eine Ahnung davon, wie unsere Vorfahren einst lebten – was Bedeutung in ihrem Alltag hatte: Die nackte Existenz sichern. 

 

Auf dem Weg der Ent-Digitalisierung

Warum zieht es uns eigentlich heute noch nach draußen – aus Haus oder Wohnung, aus schützenden Räumen in die Wildheit und Unberechenbarkeit der Natur? Es liegt uns immer noch in den Genen, sagen Anthropologen. Erst seit etwas mehr als 10.000 Jahren sind die Menschen wirklich sesshaft. Davor liegen Hunderttausende Jahre des Nomadentums, der Wanderschaft – des Lebens unter freiem Himmel, mit nur notdürftig errichteten Behausungen. 

Wir sind draußen, weil wir die Natur zum Überleben im digitalen Zeitalter brauchen, sagen wiederum Soziologen. Nicht nur, dass Sonne überlebensnotwendig für den Vitamin-D-Spiegel im menschlichen Körper ist. Das sinnliche Erspüren von Wind, Gras und Erde oder Sand ist ein menschliches Bedürfnis. Dies macht sich umso stärker bemerkbar, je mehr das tägliche Gegenüber ein kalter, glatter Bildschirm ist. Outdoor-Zeit ist Zeit der Ent-Digitalisierung und Entschleunigung. 

 

Pilgern mit der Bibel

Bewegung unter freiem Himmel – ob zu Fuß, per Fahrrad, per Boot oder schwimmend – ist zudem ein Gesundheitsprogramm. Für die Mönche des Herz-Jesu-Klosters in der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg ist Bewegung unter freiem Himmel auch der Weg zur inneren Einkehr. Bereits zum zweiten Mal laden sie in diesem Jahr zum Pilgern auf dem Brandenburger Jakobsweg. Mit der Bibel im Gepäck machen sie sich in eintägigen Kurztouren oder in Zweitages-Touren auf die Spuren des Heiligen Jakob, dessen Pfad in Brandenburg von Frankfurt/Oder über Fürstenwalde nach Sachsen-Anhalt führt, oder gen Süden Richtung Sachsen. Mehr als 200 Kilometer lassen sich so erlaufen, auf stillen Straßen, Wegen und entlang von einstigen Bahnstrecken. Herbergen ausschließlich für Pilger liegen am Weg.

Die erste Eintages-Pilgerei der Klosterbrüder beginnt am 28. April. Es geht entlang der Jakobsweg-Strecke Frankfurt/Oder – Bernau, 17 Kilometer von Werneuchen nach Bernau. In den Pausen wollen die Pilger mit Bibel-Lesungen und Gesprächen zur Besinnung kommen.

red., März 2018

Mehr Tipps für die Outdoor-Saison: www.reiseland-brandenburg.de