MANUFAKTUREN

Das wertvolle Handgemachte

Seife, Kerzen, Möbel, Taschen oder Kleidung – Prenzlauer Berg ist die Hochburg der Manufakturen. Handgemachtes in der eigenen Werkstatt oder aus allen Ländern der Welt gibt es hier zu kaufen. Und auch auf manchen Cafes, Eisläden oder Agenturen prangt das Wort: Manufaktur. Was steckt dahinter? Ein kulturhistorischer Streifzug in die Gegenwart.

Aus alter Zeit weht der Begriff herbei: Manufaktur. In der Frühen Neuzeit entstanden in Europa die ersten Manufakturen für die unterschiedlichsten Produkte, vor allem für Porzellan, Seide, für Lederwaren, Spielkarten, Uhren, Tapeten und Papier. Ursprünglich lösten vor über 600 Jahren diese arbeitsteilig organisierten Manufakturen die reinen Handwerksbetriebe ab, als durchaus zunächst produktivere und damit ungeliebte Konkurrenz für die Familienunternehmen. Heute verbinden wir Manufakturen mit Handarbeit, mit Individualismus und mit Liebe zum Detail. Das Einzigartige steht für hohen Wert und Wertschätzung statt für Massenproduktion und Beliebigkeit. Wir mögen und bewahren es, verschenken es gern. Manufakturen versprechen Nachhaltigkeit und Besonderheit gleichermaßen und treffen damit den urbanen Lebensstil.

Manufakturen Berlin Prenzlauer Berg
Feine, wertvolle Manufaktur-Arbeit: Der Geigenbau hat in Prenzlauer Berg ebenso seinen Standort wie handgemachte Kleidung oder Food. Foto: pixabay

Der Manufakturen-Stadtteil

Die „Deutsche Manufakturenstraße“ führt deutschlandweit zu mehr als 2500 Manufakturen. Eine solche Route bietet sich auch für Prenzlauer Berg an – hier sitzen und arbeiten Manufakturen ganz unterschiedlicher Branchen. GeigenbauerInnen, die in monate-, ja jahrelanger Detailarbeit Violinen fertigen. SchuhmacherInnen, die maßgefertigte Schuhe arbeiten. LedermacherInnen, die feine Gürtel und robuste Taschen anbieten. SchneiderInnen, die individuelle Kleidung nähen. Oder Spirituosen-HerstellerInnen, die feinste Brände oder Gin aus regionalen Zutaten destillieren. Womit wir im breiten Sortiment der Food-Manufakturen wären: von Schokoladen-Manufakturen mit Süßem aus fair gehandelten Zutaten über Torten-Manufakturen mit glamourösen Kreationen bis hin zu Smoothie-ProduzentInnen oder Burger-BraterInnen. Ein schönes Portfolio ortsansässiger und regionaler Manufakturen bieten der Ökomarkt am Kollwitzplatz – oder die kleinere Ausgabe am Arnswalder Platz.

Ein zeitgemäßes Portfolio deutscher und internationaler Manufakturen ist im September in der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin zu finden. Am 20. und 21. September kommen bereits zum sechsten Mal Manufakturen aus ganz Deutschland zu den „Tagen der Manufakturen“ auf das Gelände am Salzufer. Alle Menschen, die hochwertige, handgemachte Produkte mögen, können hier in die Welt der Manufakturen eintauchen. Sie können Selbstgemachtes in einer Ausstellung erleben und mit ManufakturistInnen, HandwerkerInnen und DesignerInnen ins Gespräch kommen. „Handmade in Germany“ heißen die Tage der Manufakturen im Untertitel. Veranstalterin ist die Initiative Deutsche Manufakturen. Diese, 2010 gegründet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den besonderen Qualitätsanspruch der deutschen Manufakturen „selbstbewusst zu repräsentieren“, wie es in ihrem Selbstverständnis heißt.

 

Die Manufakturen-Tage

Rund 500 AusstellerInnen und MacherInnen aus Prenzlauer Berg, aus ganz Deutschland und den Nachbarländern Österreich und Schweiz werden zu diesem Handgemacht-Festival erwartet. In einzelnen Themenräumen eröffnet sich der ganze Kosmos der individuellen Produkte: Im Themenraum „Entdecken“ erzählen Manufakturprodukte die Geschichte ihrer MacherInnen: leidenschaftliche Menschen, die auf der Suche nach Perfektion Dinge erschaffen, die bleiben - zeitlos und nachhaltig. Hier können schöne Dinge entdeckt werden, die mit Bedacht gewählt und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Porzellan, Tischdecken und Gläser für eine liebevoll gedeckte Tafel, ein Stift, mit dem persönliche Briefe verfasst werden, eine Uhr, die zuverlässig Auskunft über die Zeit gibt. Ein Mantel, der durchs Leben begleitet.

Im Themenraum „Erleben“ wiederum zeigen MeisterInnen der Handwerkskunst, wie aus besonderen Materialien Dinge von höchster Qualität entstehen. SchuhmacherInnen, SchneiderInnen, GlasmacherInnen oder PorzellanmalerInnen lassen sich ebenso beim Arbeiten zuschauen wie NäherInnen oder TöpferInnen. Und auf dem Foodmarket gibt es handgemachte Köstlichkeiten.

Das Manufakturen-Branchenbuch

Die Welt der Manufakturen zum Blättern und Nachlesen präsentiert der „Deutsche Manufakturenführer“. Mit rund 300 porträtierten Manufakturen liefert der Band  einen umfassenden Überblick über die lebendige Landschaft deutscher Manufakturen. Ein aktualisierter Nachfolger, auch mit Prenzlauer Berger Manufakturen, erscheint Anfang 2020. 

-red-,  Sep. 2019

Mehr auf: www.handmade-in-germany.net