JOGGING UND CO

Einfach frei laufen

Raus aus den Pantoffeln, rein in die Laufschuhe – immer mehr Menschen genießen die Bewegung unter freiem Himmel. Jogger finden – allein oder in der Gruppe – urbane und grüne Laufstrecken in Prenzlauer Berg. Ein Gesundheits-Guide.

 

Er läuft seit über zehn Jahren. Drei- bis viermal wöchentlich, von Frühjahr bis Winter. Er läuft mal drei Kilometer, mal sind es auch 25 Kilometer. Er läuft, um den Kopf freizukriegen. „Die Beine laufen automatisch, das Denken schaltet ab, der Kopf wird frei vom Alltagsballast“, sagt Frank Schneider. Der Polizist, beruflich viel an den Schreibtisch gebunden, kam durch ein TV-Jogging-Programm zum Laufen. Erst schrubbte er Kilometer um Kilometer vor dem Bildschirm. Irgendwann zog es ihn nach draußen. Dort blieb er dann und dreht nahezu täglich nach der Arbeit seine Runden durch den Prenzlauer Berg – über den Thälmannpark in den Volkspark Friedrichshain oder über die Gleimstraße in den Humboldthain und zurück.

Zeitung Prenzlauer Berg Magazin
Höhepunkt für Läufer: Das gemeinsame Wett-Laufen, hier der Berliner Halbmarathon. Foto: Camera4

Ein Lieblingssport

Rund 19 Millionen Deutsche joggen oder walken, sagt der Deutsche Leichathletik-Verband. Damit ist Joggen nach dem Radfahren die zweitbeliebteste Sportart. Auf Rang drei folgt Schwimmen. Verlässliche Zahlen, wieviel Hauptstädter regelmäßig ihre Runden drehen, existieren nicht – zu sehr wächst die Zahl derer, die sich sich durch Jogging, Walking oder Skaten bewegen wollen. Immerhin 40.000 Frauen und Männer, so der Veranstalter „Berlin läuft“, nehmen jährlich an den acht Stadtläufen teil. Genauso viel sind es beim berühmtesten Berliner Laufevent, dem Berlin-Marathon im September. Hier laufen freilich die Besten und Ausdauerndsten der Welt.

Dass Laufen für Kopf und Körper gleichermaßen gesund ist, propagieren seit Jahren auch die Krankenkassen. Gesetzliche und Private bieten ihren Kunden Gesundheitschecks und Laufgruppen, Lauftipps und Jogging-Boni. Langsam anfangen, allmählich von 20 Minuten Laufzeit auf die ideale Länge und Zeit steigern, heißt einer der Tipps. Eine Grundregel, die auch professionelle Läuferinnen und Läufer kennen und beachten: Das Tempo sollte so gewählt werden, dass eine bequeme Unterhaltung beim Bewegen möglich ist. Nur so geht beim Laufen nicht so schnell die Luft aus. Eine weitere Faustregel liegt im Vier-Schritte-Rhythmus: Vier Schritte zum Einatmen, vier Schritte zum Ausatmen geben den Takt. 

 

Aufs Material kommt es an

Ebenso wichtig wie das richtige Tempo sind dauerhafte Motivation und Kleidung. Frank Schneider legt sich sein Jogging-Outfit immer schon abends zurecht, damit er beim Nachhausekommen nur noch hineinschlüpfen muss. Der Polizist schwört auf Textilien aus Funktionsfasern: Das synthetische Material schützt einerseits vor Wind und Regen, ist zudem atmungsaktiv und leitet Feuchtigkeit vom Körper weg. Seine Laufjacke für schlechtes Wetter besteht aus neonfarbenen Material: Die reflektierenden Fasern machen den Jogger auch bei Dämmerung und Dunkelheit sichtbar. Seine optimalen Laufschuhe hat Frank Schneider lange gesucht – und ist dann auf einem Laufband im Fachgeschäft gelandet, wo er seine Schuhe in der Bewegung testen konnte. „Bei Schuhen und Kleidung sollte man nicht sparen. Das rächt sich schnell.“

Rund 30 Routen durch den Prenzlauer Berg hat Frank Schneider ausprobiert, bis er seine zwei, drei Lieblingsrouten fand. Sie beginnen urban – auf Nebenstraßen – und führen dann in die grünen Oasen Volkspark Friedrichshain bzw. Humboldthain. Ist er richtig gut drauf, dann absolviert er noch den Fitness-Parcours im Friedrichshain. Spätestens hier trifft er auch auf andere Bewegungsfreudige. Anders als andere Jogger liegt ihm weniger am Austausch beim Laufen. Er joggt für sich allein – seine Kopfhörer signalisieren das auch anderen.




Die Routen

Welche Route ist für wen und wann geeignet? Auf dem Portal: www.jogmap.de tauschen sich Berliner Joggerinnen und Jogger über ihre Lieblingsrouten aus: Sie laufen auf dem Mauerweg durch den Mauerpark; manche lieben es, die Danziger- und Eberswalder Straße entlang zu joggen, wieder andere umrunden den Volkspark Prenzlauer Berg. Sehr beliebt ist auch der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, der unter Singles als Treff zum Flirten gilt.

Lust darauf, die Pantoffeln gegen die Laufschuhe zu tauschen? Ein Sportler-Check-up beim Arzt hilft, gesundheitliche Risiken beim Start in die Laufsaison auszuschließen. Krankenkassen finanzieren einen Basis-Check-up und teilweise Belastungs-EKGs. Und bei „Berlin läuft“ gibt es neben Lauftreffs zum gemeinsamen Joggen das „Energy to Run“-Paket, mit individuellem Coaching und Gesundheits-Tipps. Der nächste Berlin-Marathon startet am 29. September, den Halbmarathon gibt’s schon am 2. April.

Ein wichtiger Termin für Läuferinnen und Läufer ist die Messe „Berlin Vital“ vom 30. März bis 1. April. Parallel zum Berliner Halbmarathon präsentiert die Schau mehr als 100 Aussteller aus Sport-, Lauf- und Wellness-Branche.

-red- März 2017

Mehr auf: www.berlin-vital.de