JOGGEN & BEWEGUNG

Laufen von Urban bis Grün

Rein in die Laufschuhe, raus ins Licht. Die Jogging-Saison beginnt, die ersten Lauf-Events des Jahres stehen an. Wir haben die besten Laufrouten zum Wieder- und Neueinsteigen. Routen durch Grün und Urban, in Prenzlauer Berg und darüber hinaus. Bewegung für Körper und Kopf.

 

Mit dem Laufen ist es ja wie mit dem Zugfahren. Beim Transit von A nach B schaltet der Kopf ab. Das vorbeiziehende Umfeld nimmt die Gedanken mit – oder lenkt sie in leichtere Bahnen. Für das Zugfahren spricht die Muße, die dabei entsteht. Sie lässt Zeit zum Lesen, Dösen, Erfinden. Für das  Laufen spricht die Dynamik der Bewegung, die Körper und Muskulatur in Schwung bringt.

Mit der beginnenden Laufsaison lässt sich auf diese dynamische Weise auch Prenzlauer Berg und Berlin erkunden. Je nach Wohnort zu Fuß oder in Kombination mit der S-Bahn. Am schönsten ist Joggen, wenn Berlin am Morgen noch still und frisch liegt. 

Zeitung Prenzlauer Berg Kiezzeitung
Eines der Laufevents des Jahres: Der Berlin-Marathon. Die Anmeldung zum Lauf am 16. September ist ab sofort möglich. Foto: Petko Beier

Mitten durch, von Park zu Park

Unser erster Lauf-Tipp führt durch das leere, morgendliche Berlin. Knapp 20 Kilometer zwischen Kreuzberg, Mitte und Charlottenburg. Los geht’s entlang der Oranienstraße bis zur Friedrichstraße, von da immer am Spreeufer entlang durchs Regierungsviertel bis zu Kurfürstenstraße und Kurfürstendamm, dann zum Park am Gleisdreieck. Eine Strecke, die die Stille der leeren Straßen und die Frische von Parks und Wasser auf einzigartige Weise kombiniert. Für Pausen gibt es die Cafés und ein paar Spätis an der Strecke. Zurück führt die Route durch den schönen Park am Gleisdreieck. Geübte LäuferInnen brauchen für den Drei-Bezirks-Trip rund zweieinhalb Stunden. 

Tour zwei führt, direkt vor der Prenzlauer Berger Haustür, vom Volkspark Prenzlauer Berg zum Volkspark Friedrichshain. Start für die sieben Kilometer lange Strecke ist die Kniprodestraße am Volkspark Prenzlauer Berg. Dieser schöne kleine Park ist noch immer einer der am unterschätztesten Parks in Berlin. Meist leer, im Winter toll zum Rodeln, im Sommer perfekt zum Laufen, Biken und Trainieren. Durch den Volkspark Prenzlauer Berg geht es am Tempodrom vorbei bis zum Park Friedrichshain. Am Café Schönbrunn vorbei endet die Tour am Märchenbrunnen, von dort geht es den gleichen Weg zurück in den Park Prenzlauer Berg. Wer noch Krafttraining zwischendurch einlegen will, findet auf dem Fitness-Parcours im Volkspark Friedrichshain das schönste Open-Air-Gym Berlins.

 

Laufen bei den Nachbarn

Tour drei führt in den westlichen Nachbarbezirk. Von der Brunnenstraße zum Humboldthain und zurück sind es auf dieser Laufstrecke sieben Kilometer. Sie ist eine Mischung aus urban und Natur – und am Ende lockt das Verweilen im „Mauersegler“ am Mauerpark. Start ist am U-Bahnhof Bernauer Straße, immer die Brunnenstraße entlang. Das Gesundbrunnen Center auf der Strecke einfach links liegen lassen, denn sind es nur noch ein paar Schritte bis zum Humboldthain. Der Park ist nicht allzu überlaufen, das macht das Laufen entspannt. Etwas kleiner als der Volkspark Friedrichshain, aber auch schön verschachtelt - und mit Bergen präsentiert sich dieser Park. Perfekt für Fitnesseinheiten. Auf dem höchsten Punkt, der Humboldthöhe am Bunker, lässt sich bei einer Verschnaufpause eine wunderbare Sicht auf ganz Berlin genießen. Dann geht es zurück zur Bernauer Straße.

Tour vier schließlich führt in den südlichen Nachbarbezirk. Sie beginnt am Brandenburger Tor und verläuft – nach einem kleinen Schwenk durch den Tiergarten – mitten durch die Mitte bis zum S-Bahnhof Friedrichstraße. 9,5 Kilometer einmal durch die City, durch Regierungsviertel, Szene-Kieze, durch Trubel und Verkehr. 

Durch das Brandenburger Tor zu laufen, ist immer noch ein Erlebnis – auch fast 30 Jahre nach dem Mauerfall. Die Straße des 17. Juni entlang geht es zunächst, dann quer durch den Park rüber zur Spree, Richtung Kanzleramt immer am Wasser entlang. An der Charité vorbei geht’s zur Museumsinsel mit Altem Museum und Pergamonmuseum, über den Litfass-Platz weiter bis zur Volksbühne. Ausruhen und Verschnaufen ist auf der schönen Wiese vor dem Theater möglich. Die Rücktour führt durch den Monbijou-Park, dann das andere Spreeufer entlang bis zur Friedrichstraße und über die Brücke, am Tränenpalast vorbei, zum S-Bahnhof.

 

Zwischen Wasser und Dorf

Die fünfte Tour erkundet Kreuzberg entlang des Landwehrkanals. Laufen am Wasser beruhigt – diese Tour macht Lust auf Leben und Gelassenheit. Mitten in Berlin, mit nur wenigen zu überquerenden Straßen, läuft man auf einem Kieselweg am Wasser entlang, inmitten von viel Grün. Man trifft die Kreuzberger beim Spazieren, Boule spielen oder Bier trinken. Das Licht am frühen Abend ist besonders schön, wenn die Sonne durch die Bäume schaut und sich im Wasser spiegelt. Diese Strecke ist auch einfach zu merken: Es geht immer der Nase entlang. Start- und Endpunkt ist das Paul-Lincke-Ufer ab dem Kottbuser Damm. Von da aus den Kanal entlang bis zur Spree, auf dem anderen Ufer wieder zurück. Die Strecke selbst ist rund 8 Kilometer lang. Für geübte Läufer rund 45 Minuten. Wer keine Runde bis zur Spree entlang beider Ufer laufen möchte, kann eine der Unterwegs-Brücken überqueren und abkürzen.

Die sechste und letzte Tour zeigt noch einmal eine andere Seite von Berlin. Sie führt über die Halbinsel Stralau und ist etwas Besonderes. Statt Berlin urban gibt es hier dörfliches Milieu, vermischt mit familiärer Neubaukultur. Drum herum liegen dicke Kähne und Hausboote, Angler stehen am Ufer; Segler durchziehen das Wasser.

Los geht es an der Oberbaumbrücke, 7 Kilometer, zunächst an der Media-Spree entlang, dann durch das dörfliche Stralau mit Kirche, Friedhof und kleinen Häusern. An der Halbinsel-Spitze zur Spree angekommen, lässt sich am anderen Spreeufer die Insel der Jugend erkennen. Zurück die gleiche Tour. Die Strecke ist um ein paar Kilometer erweiterbar, wenn man die große Runde durch die Rummelsburger Bucht läuft.

red., März 2018