CAR-SHARING & CARGOBIKE

Mobil ohne Ballast

Multimodale Mobilität statt individueller Diesel-Dreck – in Prenzlauer Berg mehren sich diejenigen, die auf CarSharing, Pedelec oder Lastenfahrrad umsteigen. Am liebsten heute das eine und morgen das andere, je nach Bedarf. Eine Bestandsaufnahme.

Brauchen wir Großstädter in den City-Lagen überhaupt ein eigenes Auto? Die Frage ist so alt wie der öffentliche Nahverkehr. Sie stellt sich umso häufiger, je mehr Alternativen es gibt. Und, in Zeiten geschönter Abgas-Tests und drohenden Feinstaub-Alarms, auch immer dringlicher. Geteilte Autos, geteilte Lastenräder oder private Lieferanbieter, dazu Leihstationen fürs Fahrrad oder Pedelec verheißen uns ein multimodales Leben. Jetzt plant der Berliner Senat sogar, den Warentransport auf Tram-Schienen zu verlegen.

Zeitung Prenzlauer Berg Magazin
Schön umweltfreundlich, leicht und günstig: Elektro-Car zum Teilen. Foto: bsc

Mobilität heißt heute: Wir steigen auf das Fahrzeug um, das wir gerade benötigen. Wir mieten es per App und holen es an einer der Mietstationen ab und stellen es nach Gebrauch wieder dort ab. Oder wir kontaktieren online einen privaten Autoanbieter und lassen uns am verabredeten Ort den Autoschlüssel übergeben. Multimodale Mobilität, wie Experten sie gern nennen, ist virtuell. Und bitte: umweltschonend.

 

Teilen wird mehr

Einer Studie des Umweltbundesamtes zufolge wären 91 Prozent der Deutschen gern unabhängiger vom Auto. Sie sehen Kfz-Freiheit als Beitrag zu einem guten Leben. Rund die Hälfte würde lieber öfter mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, zwei Drittel häufiger aufs Fahrrad umsteigen. Soweit die Theorie der Umfragen. Und weil es so schön ist, gleich noch ein weiteres Meinungsbild dazu, diesmal vom Verband der CarSharing-Unternehmen. Wer vom eigenen Auto aufs CarSharing umsteigt, nutzt grundsätzlicher weniger Kfz: 41 Prozent der CarSharer fahren weniger mit dem geteilten Auto weniger Auto als bisher, 15 Prozent fahren öfter Fahrrad, 19 Prozent häufiger öffentliche Verkehrsmittel. Um über ein Drittel ist die Zahl der CarSharer im vergangenen Jahr deutschlandweit gestiegen: Rund 1,7 Millionen Deutsche nutzen regelmäßig geteilte Autos.

Kiezzeitung Berlin Prenzlauer Berg
Teilen ist mehr – auch für Lastenräder. Foto: Die Lastenradler

Seit kurzem ist bundesweit das deutsche CarSharing-Gesetz in Kraft. Das macht es der öffentlichen Hand leichter, Stellplätze für CarSharer im Straßenraum auszuweisen. Entweder als feste Stationen für ein einzelnes Unternehmen oder als grundsätzliche CarSharing-Parkplätze – geteilt für alle. Überhaupt: Wer Autos teilt, spart nicht nur eigenes Geld und eigene Zeit, er spart auch Parkplätze fürs Gemeinwohl. In innenstadtnahen Bereichen wie Prenzlauer Berg ersetzt ein Car-Sharing-Parkplatz 20 konventionelle Stellflächen. Diese Flächen lassen sich gut als grüne Freizeitflächen für andere nutzen. Im Bezirk Charlottenburg läuft dazu gerade ein Modellprojekt. Die Einwohner eines Kiezes entscheiden via Umfrage, welche Mobilitätsformen sie nutzen wollen. Die frei gewordenen Flächen sollen für gemeinsame Aktivitäten genutzt werden. 

 

Auf der Hitliste

Prenzlauer Berg ist, was das Angebot an alternativer Mobilität angeht, gut aufgestellt. Aus sieben CarSharing-Angeboten von Unternehmen können wir wählen. Der kleine flinke Smart ist dabei der Favorit, auch Elektro-Autos sind mietbar. Auf privaten CarSharing-Plattformen lassen sich auch große Familienautos oder Kleinbusse für den Wochenend-Urlaub oder den kleinen Umzug teilen.

Wem das geteilte Auto noch zu groß oder umweltunfreundlich ist, der kann sich ein Lastenfahrrad mieten. Seit 2016 gibt es die freien Lastenradler Berlin. Noch sind Anfahrt- und Abfahrtweg bis nach Charlottenburg oder Friedenau recht weit. Dort parken die ersten CargoBikes zum kostenlosen Teilen und Mieten. Die ehrenamtliche Initiative Freie Lastenradler hat bewusst diese Stadtbezirke außerhalb der City gewählt, um auch im Großraum Berlin die Idee des Transports per Fahrrad zu verbreiten. Eine Mietstation in Prenzlauer Berg ist indes geplant: „Leih Dir in Berlin kostenlos ein Lastenrad aus.“, wirbt die ehrenamtliche Initiative für den Transport auf zwei Rädern, weil „das Lastenrad einfach ideal ist in Berlin. Es passt alles hinein und nimmt trotzdem wenig Platz weg. Es ist leise und stößt keine Schadstoffe aus. Es bringt einfach Spaß, es zu fahren und alle Kinder dieser Welt lieben es.“

 

Transport auf zwei Rädern

Dass das Teilen von CargoBikes durchaus auch in Prenzlauer Berg ein wachsender Markt ist, haben schon 2013 Studenten bewiesen. Ihr Probeabo aufs Lastenrad lief einige Monate vor der mobilen Station Oderberger Straße – mit Erfolg. Doch Prenzlauer Berger wären nicht Prenzlauer Berger, wenn sie nicht längst unkonventionelle Wege des Teilens gefunden hätten: Von Familie zu Familie, von Nachbar zu Nachbar.

Demnächst will sich auch ein Lastenfahrrad-Unternehmen in Prenzlauer Berg ansiedeln, das für Firmen oder Privatleute Waren unterschiedlicher Art transportiert – die neue Form des Fahrradkuriers. Bis zu 250 Kilogramm transportieren die Radler pro Tour, derzeit noch von ihrem Firmensitz in Kreuzberg aus.

Wer weniger Waren oder Kinder zu transportieren hat, kann sich ein Bike oder E-Bike bei einem der zahlreichen Fahrradhändler mieten. Das wissen inzwischen auch die zahlreichen Touristen zu schätzen, die Prenzlauer Berg auf Mieträdern erkunden.

-al-, Sep 2017

Mehr auf: https://carsharing.de – www.dein-lastenrad.de/


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