WAS DER MAI ERBLÜHEN LÄSST

Neue Liebe vorm Balkon

Es grünt wieder, es wächst und blüht schon länger. Im Mai sind Leben, Liebe und die Natur auf dem Sprung in die Fülle des Sommers. Geschichten von Paaren und Pflanzen und allem, was der Mai erblühen lässt. Unnachahmliche Rezepturen zum Nachahmen.

 

Liebe, Hass, Ekstase – der Film „Ein letzter Tango“ läuft derzeit in den Kinos. Er zeigt, was Tanz, zumal wenn es argentinischer Tango ist, alles zu verkörpern, zu leben, zu bewegen vermag. Das südamerikanische Tango-Paar Maria Nieves Rego und Juan Carlos Copes lebte und tanzte 50 Jahre lang mit einander. Es machte den Tango ab den 30er Jahren wieder weltberühmt. Es liebte und hasste sich, entzweite sich und fand sich wieder – im Leben wie auf der Bühne. Bis zum letzten Tango. Kaum ein Tanz vermag so viel Leidenschaft, Sinnlichkeit und Erotik zu erzählen wie der Tango.

Kaum ein Monat des Jahres ist wie der Tango voll von Leben, Sinnenfreuden und erwachender Leidenschaft wie der Monat Mai. Der römischen Göttin Maia, der Göttin des Wachstums und der Vermehrung, ist er gewidmet. Legendär ist die hohe Zahl der Eheschließungen in diesem Monat ebenso wie der Mai-Sprung, mit dem Verliebte beim Sprung über das Feuer ihr Paarsein zeigen und festigen.

Im urbanen Raum sind die jahrhundertealten ländlichen Sitten von Walpurgisnacht, Mai-Sprung und Maibaum nur vereinzelt zu finden. Doch auch hier dominiert das, was den Mai schließlich auch ausmacht: Der Flirt mit der Liebe und dem Leben. Und dafür ist das Tanzen eine geeignete Form. 

Zeitung Prenzlauer Berg Magazin
Sonne, Leichtigkeit, neue Liebe: Mit dem Mai zieht die Wärme über den Balkon. Foto: al

Berg in verschiedenen Studios und Tanzschulen lernen. Bei Tango, Walzer oder Swing stimmen sich Paare in der Bewegung der Körper aufeinander ein, lernen einander neu und anders kennen. Wer führt, wer lässt sich fallen? Oder ist das Ganze nur ein Spiel, das zu durchleben leicht ist? Ein Flirt zu Rhythmen und Melodien? Beim Tanzen dominiert das Miteinander, nicht der Einzelne. So ist der Tanz auch die beste Art, sich wirklich kennenzulernen. Denn die meisten Tanzschulen vermitteln auch Tanzpartner an diejenigen, die allein zum Tanzen kommen. Ein Dreh, ein Schritt, und schon können Flirt und Liebe im Mai neu beginnen.

Damit wäre, nach der Liebe, nun zur Maien-Blüte zu kommen. Die wir Großstädter vor allem auf dem Balkon erleben. Jährlich, so scheint es, werden die Balkone üppiger bepflanzt, vermehren sich auch die Beete rund um die Straßenbäume und auf den wenigen Brachflächen zwischen Asphalt und Beton. Kleine Wildnisse entstehen hier – im Mix aus Ringelblume, Kamille und Tomaten. Gepflegte, durchkomponierte Balkonidyllen mit Lavendel, Rosen und Wein schauen von den Gründerzeitfassaden. Immer mehr erobern auch mediterrane Pflanzen die nördliche Mitte von Berlin: Orangen- oder Zitrusbäumchen bieten Blumenläden und Gärtenmärkte selbst in Miniatur an. Die milden Winter und tropischen Sommer der vergangenen Jahre lassen die königlichen Bäumchen auf den Südbalkonen des Prenzlauer Berg blühen und Früchte tragen. Auch kleine Beerensträucher gedeihen inzwischen, ebenso wie Rosenbäumchen oder gar Teiche mit Wasserpflanzen.

In Blumenläden und auch bei der Grünen Liga erhalten Pflanzwillige Tipps, wie sie Balkon und Baumscheiben frisch, bunt und individuell bepflanzen können. Und zugleich an die Bienen und andere nützliche Insekten denken. Denn viele Kräuter und Blüten sind Bienenfutter, locken und nähren die emsigen Nektarsammlerinnen und helfen dabei, die nahezu bedrohte Tierart zu erhalten. Wer noch mehr für die großstädtische Tierwelt tun möchte, hängt sich gleich ein schönes Insektenhotel neben die blühenden Balkonkästen. Dort können auch Florfliegen und Marienkäfer einziehen – nützliche Helfer, die Blattläuse in Schach halten. 

Wer mehr über die Aromen und Heilwirkungen von Kräutern wissen möchte, kann sich auch Rat bei den Brüdern der katholischen Gemeinde in der Greifswalder Straße holen. Dort grünt und blüht jetzt ein Klosterkräutergarten, den die Geistlichen im vergangenen Monat anlegten. Hier gibt es Minze, Thymian und Co – frisch für Tees, zum Würzen von Speisen und als Heilmittel. 

Damit wären wir bei Lebensfreude und Vitalität, die der Monat Mai wie kein anderer in uns Menschen hervorruft. Wenn alles grünt und blüht, wird auch das Leben leicht. Das passende Getränk dafür: Selbstgemachte Limonade, die sich, schön gekühlt, auf dem abendlichen Mai-Balkon trinken lässt. Zum Beispiel selbstgemachte Mate-Limonade. Das koffein- und vitaminhaltige Getränk erfrischt, belebt und nährt. Den Tee genossen schon die südamerikanischen Indianer vor vielen Jahrhunderten, verwandten ihn zu Zeremonien der Gastfreundschaft und des Geistes. Für die neuzeitliche Limonaden-Variante braucht es folgendes: Einfach sechs Teelöffel Matetee mit einem Liter Wasser aufkochen, das ganze mit dem Saft von zwei Zitronen versehen. Abkühlen lassen, mit etwa einem Liter gekühltem Mineralwasser auffüllen und mit Rohrzucker oder Stevia süßen. Gekühlt genießen, dabei der Leichtigkeit des Lebens nachsinnen und anschließend vielleicht noch tanzen gehen.

-al- April 2016

 

Mehr zum Tango auf: www.tango-raum.de; mehr zum Grün auf: www.grueneliga-berlin.de; mehr zu Mate auf: www.metamateberlin.de