VARIANTEN VON WELLNESS

Das Wohlgefühl Prenzlauer Berg

Wellness ist nichts anderes, als: Sich rundum wohl und behaglich zu fühlen. Gerade in Herbst- und Winter-Tagen und -Wochen, da Kälte und Trübnis den Alltag verdüstern, ist das Bedürfnis nach einer entspannten Auszeit groß. Wie passen urbanes Großstadt-Tempo und Wellness zusammen? Drei Meinungen dazu.

Verspannungen. Die verflixten Verspannungen, die sich einstellen, wenn man zu lang am Schreibtisch sitzt. Erst unlängst haben Forscher erneut festgestellt, dass eine gerade Sitzhaltung oder das Sitzen auf einem Ball oder flexiblem Bürostuhl etwaigen Verspannungen nicht zwingend vorbeugen. Der Mensch ist nunmal, auch über eine Million Jahre nachdem er von den Bäumen stieg, nicht für dauerhaftes Sitzen gemacht, egal, wie flexibel Arbeitsmöbel inzwischen sein mögen.
Bewegung, so die Forscher, dauerhafte, regelmäßige Bewegung, ist das einzige, was gegen Verspannungen und gegen Rücken- und Schulterschmerzen hilft. Vorbeugend. Dieter Stoll, Prenzlauer Berger seit drei Jahren, ist ein typischer Büromensch: Eher bewegungsunlustig, sitzt der Geschäftsführer viel zu lang täglich am Schreibtisch. Wellness heißt für ihn deswegen: Durch Entspannen die Verspannungen lösen. Das gelingt ihm mit Massagen. In seinem Kiez, im Winsviertel, und in Laufweite in den benachbarten Kiezen, hat er die Wahl zwischen verschiedenen Massage-Techniken. Ausprobiert hat er alle. „Alle zwei Wochen am Samstag gönne ich mir eine halbe Stunde.“ Seit kurzem will er selbst aktiver in Sachen Wohlfühlen werden. Sein Wellness-Tipp: Qui Gong. Er hat sich bei einem morgendlichen Qui Gong-Kurs an der Volkshochschule angemeldet. Gemeinsam mit anderen Frühaufsteherinnen und Frühaufstehern übt er sich einmal pro Woche in der fernöstlichen Meditations- und Bewegungskunst. Sein Trainer macht Übungen vor und kontrolliert dann bei den Kursteilnehmern, dass sie die „Windmühle“ oder die „Fünf Elemente“ und andere Übungen exakt einstudieren. Dieters Stolls Fazit nach vier Kursen: Die morgendliche Stunde verhilft ihm zu einem entspannten, ruhigen Start in den Tag. Nun beginnt er damit, die Bewegungsrituale in seinen Alltag zu integrieren. Jeden Tag 15 Minuten Qui Gong. Das treibt ihn vom Schreibtisch weg und hilft den verspannten Schultern. 
Anna Friedrich hingegen, Pressereferentin, entspannt sich am liebsten gemeinsam mit einer Freundin. Einmal monatlich nehmen sich die beiden einen Wellness-Tag. Den verbringen sie komplett in Prenzlauer Berg. Er folgt einem Ritual, das die beiden Freundinnen für ihr partnerschaftliches Wohlgefühl erfunden haben. Zuerst treffen sie sich auf einen Espresso in ihrer Lieblings-Bar, nehmen ein portugiesisches pastel de nata und gönnen sich einen Blick in die Tageszeitung. Dann gehen sie zur Kosmetik – eine reine Naturkosmetik-Behandlung von einer Stunde wartet auf sie – mit Hautreinigung und Pflege-Packung, Gesichtsmassage und Anti-Aging-Ampullen. Ihre Kosmetikerin überrascht die beiden jedes Mal aufs Neue: Sie zaubert mit Düften und Musik eine individuelle Atmosphäre in den Behandlungs-Raum, die der jeweiligen Tages-Stimmung der beiden angepasst ist. Nach der Kosmetik gehen die beiden shoppen, nehmen ein leichtes Mittagsgericht und beenden ihren Wellness-Tag mit einer Massage. Anna Friedrich genießt eine fernöstliche Fußreflexions-Massage mit duftendem Fußbad; ihre Freundin lässt sich währenddessen mit einer Behandlung mit heißen Steinen verwöhnen. Am Abend treffen sich die beiden zum gemeinsamen Kino-Besuch.
Wellness in Prenzlauer Berg? Für Hanno Müller heißt Wellness Bewegung. Er joggt jeden Morgen durch den Volkspark am Friedrichshain, auch bei Regen. Seit einigen Monaten begleitet ihn sein Sohn, meist liefern sich die beiden am Ende der halbstündigen Runde ein kleines Wettrennen nach Hause. Dann gibt’s nach der Dusche ein Früchte-Frühstück, dann geht’s in die Agentur, der Sohn geht in die Schule. Das Laufen und eine bewusste Ernährung, so der Werbekaufmann Müller, sind seine persönliche Form des Wohlfühlens, unabhängig von der Jahreszeit. Mehr Wellness brauche er gar nicht.

-al- (Oktober 2015)


Tipps für Wellness in Prenzlauer Berg
Schönheit. Kosmetische Behandlungen entspannen, reinigen und verwöhnen nicht nur Gesicht, Hände oder Füße. Zu den Grundbehandlungen gehören auch Gesichts- und Kopfmassagen mit wohltuender Musik und duftenden Essenzen. Auch immer mehr Männer gönnen sich eine kosmetische Auszeit. In Prenzlauer Berg gibt es biologische, ganzheitliche und konventionelle Kosmetik-Studios. Eine Behandlung dauert in der Regel ab 45 Minuten bis 90 Minuten. Kosmetische Beratung, was der eigenen Haut am besten tut, inklusive. Zum Wellness-Moment kann auch der regelmäßige Besuch beim Friseur werden. Viele Friseure bieten zum neuen Haarschnitt entspannende und kräftigende Kopfmassagen mit an.
Gesundheit. Meditations- und Bewegungstechniken wie Yoga oder Qui Gong lassen sich in Gruppenkursen erlernen und dann individuell zu Hause fortsetzen. Sie fördern und stabilisieren den Energiehaushalt des Körpers, beugen Krankheiten und Verschleiss-Erscheinungen vor und dienen, in Ruhe praktiziert, auch dem Abbau von Stress und schlechten Gedanken. Zahlreiche Schulen und Studios in Prenzlauer Berg bieten Kurse, auch die Volkshochschule. Gesundes Wohlgefühl verschaffen Saunen. Regelmäßige Saunagänge beugen Erkältungskrankheiten und Rheuma vor und kräftigen Kreislauf und Stoffwechsel.
Genuss. Gutes Essen, in Familie oder mit Freunden, ist eine gesellige Art der Wellness. Das Schöne beim Selbstkochen: Man weiß, was drin ist. Das Schöne am Essen im Restaurant: Man kann ausprobieren, was man sich selbst nicht zu kochen traut. Besonders gesund: Bio und die leichte asiatische Küche.
Verwöhnung. Geht am besten mit einer Massage oder Heilbehandlung. Fußreflexions-, Rücken- oder Ganzkörpermassagen gibt’s ab 30 Minuten, viele Wohlfühl-Dienstleister halten umfangreiche Verwöhnpakete bereit – mit Massage, Tiefenentspannung, Kosmetik in einem.