TAPETENWECHSEL

Zeit für ein neues Innenleben

Das neue Jahr bringt den Wunsch zur Veränderung mit sich, zum Beispiel den Wunsch nach einem Tapetenwechsel. Was neue Innenräume können sollten, wo die Gefahren des Wohndesigns lauern und wann lieber Experten zu Rate gezogen werden sollten – ein Gespräch mit Innenarchitektin Kathrin Mietzschel.

Zeitung Prenzlauer Berg Magazin
Kompletter Tapetenwechsel oder genügt eine neue Sofa-Decke, etwa diese Recycling-Patchworkdecke? Das neue Jahr bringt neues Innendesign. Foto: al

Frau Mietzschel, wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Tapetenwechsel?

Das Bedürfnis, an seinen Wohn- oder Arbeitsräumen etwas zu verändern, hat viel mit einem inneren Veränderungswillen zu tun oder mit einer Veränderung der Lebenssituation – abgesehen von ganz normalen Abnutzungserscheinungen, die einen neuen Tisch, neue Stühle oder neue Vorhänge einfach notwendig machen. Es gibt durchaus auch saisonale Schwellen: Der Jahresanfang und der Frühlingsbeginn sind verstärkt Zeitpunkte, zu denen Menschen auch etwas an ihrer Inneneinrichtung ändern. Das sind manchmal ganze Tapetenwechsel, manchmal nur Kleinigkeiten wie eine hübsche Skulptur oder eine neue Tagesdecke für die Couch. Diese Kleinigkeiten können aber auch schon wirkungsvoll sein. 

 

Wie sollte ein Raum zum Wohnen oder Arbeiten gestaltet sein?

Am besten so, dass über die reine Form oder Funktionalität hinaus ein Mehrwert geschaffen wird. In guter Inneneinrichtung sollen sich Menschen wohlfühlen, sie kann und soll das Leben vereinfachen.

 

Wie geht das?

Die Inneneinrichtung ordnet sich dem Wohn- oder Arbeitszweck unter und wird nicht zum Selbstzweck. Immer weniger Menschen möchten Möbel oder Interieur, das kurzlebig ist oder zur Effekthascherei verkommt und Räume kalt wirken lässt.

 

Haben Sie ein Beispiel?

Ich halte nichts von teuren, schick aussehenden Designer-Sesseln, die zwar wie Kunstwerke wirken, in denen Menschen aber einfach nicht bequem sitzen können. Gerade Sessel sind doch Möbelstücke, in denen wir uns entspannen, dösen, gelöst etwas lesen oder es uns zwanglos gemütlich machen wollen. Wenn ich schräge, einzigartige Akzente in meiner Wohnung setzen will, würde ich das mit einzelnen Teilen wie zum Beispiel Lampen machen. Eine edle Lampe hat zudem den Vorteil, dass ihr Licht sehr wirkungsvoll eingesetzt werden kann.

 

Weniger ist mehr?

Für mich ja, im doppelten Sinne. Komplett durchdesignte Räume wirken oft kühl und abweisend. Spannung erhalten sie  durch einzelne Akzente, die angenehme Störmomente setzen, weil sie in Form oder Farbe anders sind. Also Lampen, Bilder, auch ein Kerzenständer oder ein textiles Teil. Umso lieber betrachte oder nutze ich dieses „Einzelstück“, umso wertvoller wird es mir.

Weniger ist mehr auch in der Menge, besser, der Reduzierung auf das, was wirklich gebraucht, genutzt, gemocht wird.

 

Welche Trends gibt es derzeit in Sachen Interieur?

Die Tendenz geht zu nachhaltigen, natürlichen Materialien: Holz, Bambus, Recycling-Produkten. Das hat einerseits mit dem gewachsenen nachhaltigen Bewusstsein zu tun, auf das sich die Hersteller und Designer zunehmend einstellen. Andererseits haben diese Materialien viele weitere Vorteile, sie sind zeitlos klassisch, robust und langlebig. Und sie vermitteln eine Atmosphäre, weil sie sich während ihrer Lebensdauer verändern. Sie dunkeln beispielsweise nach, verändern auch minimal ihre Form.

 

Gibt es ein No-Go in der Gestaltung von Innenräumen?

Im Grunde nein. Geschmack ist nunmal individuell und diejenigen, die die Räume nutzen, wollen dies ja auch gern tun. Ich könnte Ihnen eher sagen, was garantiert schief läuft: Wenn ein Paar zusammenzieht und beide Partner sich nicht auf einen Stil einigen können, sondern versuchen, ihre beiden Stile zu mischen. Das wird nix, das ist dann ein klassischer Fall, um einen Innenarchitekten oder eine Innenarchitektin zu beauftragen. Dann geschieht das Design nach ausführlicher Rücksprache aus professioneller Hand. Für die Paare hat dies noch einen weiteren Vorteil: Die Partner können die Schuld am Design auf die Innenarchitektin oder den Innenarchitekten schieben. Das vermeidet unnötigen Streit.

 

Und allen anderen, die schon zusammen oder einzeln wohnen und ihre Räume verändern wollen, was raten Sie denen?

Sie sollten sich fragen, warum sie etwas verändern wollen und was sie konkret brauchen. Welchen Nutzen, welchen Mehrwert habe ich davon? Dann hilft konkretes Suchen, auch mal der Blick nach Alternativen und das Überprüfen, ob mir die neue Wandfarbe, das neue Regal auch auf den dritten, vierten oder fünften Blick noch gefällt. Schließlich will ich sie ja nach drei Wochen nicht schon wieder austauschen. Die Veränderung eines Teils hat ja auch Auswirkungen auf die gesamte Innenraumgestaltung. Wenn das nicht zueinander passt, muss ich oft die anderen Teile auch noch austauschen.

Neues Interieur und Design, gesehen in den Läden in Prenzlauer Berg

Geschirr und Besteck aus Bambusfasern. Sieht in seinen unterschiedlichen Farben nicht nur toll aus, es setzt auch fröhliche Akzente auf dem Frühstückstisch, ist zudem nachhaltig produziert und kostengünstig. Spülmaschinengeeignet.

Regalleitern. Die Teile aus Holz werden einfach an die Wand gelehnt und bieten Platz für Zeitschriften, Bücher, CDs. Als mobile Ständer können sie ihren Ort einfach wechseln. Gibt es in verschiedenen Höhen, Breiten und in Holz natur und lasiert.

Patchwork-Decken. Omas Handarbeit ist wieder da. Farbenfrohe Decken, genäht aus Einzelteilen recycelter Stoffe, sind behagliche Hingucker und ganz nützlich: Zum Kuscheln auf dem Sofa oder als Spieldecke für die Kinder.

Sitzmöbel aus Pappe. Schon ein echter Klassiker, grandios simpel und erstaunlich robust. Hocker, Stühle und Tische aus Pappe lassen sich einfach wieder zusammenfalten, wenn sie nicht gebraucht werden. Sie können zudem selbst bemalt oder beklebt werden, immer wieder.

Tische als Schatzkisten. Schöne Baumstämme, in Form gesägt, tragen Glas- oder Mosaikplatten. Im Baumstamm verbirgt sich ein Schubfach für kleine Schätze.

Blechbüchsen-Blumenvasen. Alte Suppendosen sind schlichtes Dekor für edle Rosen, frische Tulpen oder Grünpflanzen.

Schaufensterpuppen. Haben die stummen Diener oder Klamottenstühle im Schlafzimmer abgelöst. Bieten Platz für eigene Kleidung oder die Garderobe der Gäste.

Ein gutes altes Stück. Ein antikes Möbelstück muss sein und passt in jeden Innenraum - ob Biedermeier-Küchenbuffett, Sechziger-Jahre-Musiktruhe oder zeitlose Bauhaus-Lampe.